- Kolumne
101: Gravlax
Ein Beitrag von Torsten Kluske
101: Von Katzen und Lachsen
Früher war alles besser. Zumindest in unserer Erinnerung. Doch die ist reichlich verklärt. Vor ein paar Tagen tauchte auf der bekannten Streaming-Plattform ein Film aus meiner Jugend auf: Friedhof der Kuscheltiere. Der entsprechende Roman von Stephen King wurde 1989 verfilmt und damals, mit 15, muss ich offensichtlich ein anderes Grusel- und Ästhetikempfinden als heute gehabt haben: Was genau fand ich an diesem Film schaurig?
Die Handlung ist schnell erzählt: Winston Churchill, der Kater der Familie Creed, wird eines Tages tot aufgefunden. Als Vater Louis ihn zusammen mit seinem Nachbarn Jud auf einem geheimen Tierfriedhof verbuddelt, steht Kater Church, jetzt reichlich zerrupft und „beunruhigend“ wesensverändert wieder vor der Tür: Er mordet auf sadistische Weise Mäuse, Ratten und sogar eine Krähe. Wobei ich mich frage: „Wo ist da die Wesensveränderung einer Katze?“
Irgendwann stirbt Gage, der Sohn der Familie, bei einem Autounfall, und sein Vater trifft eine folgenschwere Entscheidung. Den Rest der Geschichte kann man sich denken.
Das Eingraben von toten Tieren ist nicht neu. In den nordischen Ländern wird dies seit Jahrhunderten so praktiziert. So bedeutet Gravlax übersetzt „eingegrabener Lachs“: „Grav“ = Grube/Grab, „lax“ = Lachs, und der wurde ursprünglich im Sand nahe der Meereslinie vergraben. Eine pfiffige Idee, denn dort ist auch gleich Salz.
Der Vorteil: Der eingegrabene Fisch taucht nach 2–3 Tagen nicht so ungenießbar wie die zerrupfte Katze zurück.
Warum Gravlax gerade zur Osterzeit so beliebt ist, liegt wahrscheinlich eher am Ende der Fastenzeit als an der Idee der Wiederauferstehung. Das Eingraben des Fischs ist für die längere Haltbarkeit heute auch nicht mehr nötig. Wir haben Kühlschränke.
Entscheidend bei rohem Fisch ist das zusätzliche Einsalzen. Wer zwei bis drei Tage vorher beginnt, hat dann fastenkonform für Karfreitag oder auch zum Osterbrunch an den folgenden Tagen ein leckeres Fischgericht.
Rezept:
500 g Lachsfilet (aus dem Mittelstück, ohne Haut und Gräten)
20 ml Ouzo
½ Bund Dill
¼ Salzzitrone (alternativ den Abrieb einer halben Bio-Zitrone)
20 g Salz
10 g Zucker
Das Lachsfilet rundherum gut trockentupfen und mit dem Ouzo bestreichen. So wird die Oberfläche etwas desinfiziert und die Zutaten haften besser.
Den Dill mit Stielen sehr fein hacken. Die Schale der Salzzitrone fein würfeln oder die der Zitrone fein abreiben. Salz und Zucker mischen, auf ein Blech geben und das Lachsstück rundherum darin wälzen. Es sollte von allen Seiten gleichmäßig gewürzt sein.
Den Lachs mit der Seite, auf der die Haut war, mittig auf ein großes Stück Frischhaltefolie setzen. Den Dill und die Salzzitrone gleichmäßig auf dem Lachs verteilen und alles fest in die Folie einschlagen.
Den Gravlax vor dem Servieren im Kühlschrank 2–3 Tage marinieren lassen.
Die Menge an Salz und Zucker ist so bemessen, dass der Lachs nach dem Marinieren nicht abgewaschen werden muss. Der Fisch kann direkt, so wie er ist, verzehrt werden.
Und abschließend noch ein Hinweis bzgl. der Qualität des Fischs: „Sushi-Qualität” bedeutet nicht, dass der Fisch extrem frisch ist, sondern dass er direkt nach dem Fang mindestens 24 Stunden lang schockgefrostet wurde. So werden mögliche Parasiten abgetötet.
Fotocredit: Sebastian Schollmeyer
Rezept
Zutaten für Gravlax
- 500 g Lachsfilet (aus dem Mittelstück, ohne Haut und Gräten)
- 20 ml Ouzo
- ½ Bund Dill
- ¼ Salzzitrone (alternativ den Abrieb einer halben Bio-Zitrone)
- 20 g Salz
- 10 g Zucker
Zubereitung
- Lachs vorbereiten: Das Lachsfilet rundherum gut trockentupfen und mit dem Ouzo bestreichen. So wird die Oberfläche etwas desinfiziert und die Zutaten haften besser.
- Gewürzmischung anlegen: Den Dill mit Stielen sehr fein hacken. Die Schale der Salzzitrone fein würfeln oder die der Zitrone fein abreiben.
- Lachs würzen: Salz und Zucker mischen, auf ein Blech geben und das Lachsstück rundherum darin wälzen. Es sollte von allen Seiten gleichmäßig gewürzt sein.
- Einwickeln: Den Lachs mit der Seite, auf der die Haut war, mittig auf ein großes Stück Frischhaltefolie setzen. Den Dill und die Salzzitrone gleichmäßig auf dem Lachs verteilen und alles fest in die Folie einschlagen.
- Marinieren: Den Gravlax vor dem Servieren im Kühlschrank 2–3 Tage marinieren lassen. Der Fisch kann direkt, so wie er ist, verzehrt werden.
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