- Kolumne
71: Zehnfußkrebse vom Grill
Ein Beitrag von Torsten Kluske
Der Scampi-Skandal
Wir wurden belogen und betrogen! Eine vielleicht etwas drastische Aussage, doch auf der Pizza Scampi, die uns Anfang der 90er Jahr von unserem damaligen Lieblings-Italiener serviert wurde, waren keine Scampi! Ein Eklat, der erst viel später in den Medien aufgearbeitet wurde: 2015 machte der “Scampi-Skandal” die Runde, denn auch Vapiano oder Gosch deklarierten schnöde Shrimps als Scampi. Der Schwindel konnte allerdings erst mit einer DNA-Analyse aufgedeckt werden: Sind Kopf und Scheren entfernt, sind Garnelen und Scampi kaum voneinander zu unterscheiden. Vor allem nicht zusammen mit Gorgonzola und Knoblauch auf einer Pizza.
Hier kommen ein paar harte Fakten, um Ordnung in die Unterordnung zu bringen:
Krustentiere gehören zum Stamm der Gliederfüßler und sind mit den Insekten verwandt. Sowohl Shrimps als auch Scampi zählen zu den Zehnfußkrebsen, gehören innerhalb dieser Ordnung jedoch verschiedenen Unterordnungen an:
1. Garnelen (Dendrobanchiata – von griech. Dendro = Baum und Branchia = Kiemen)
Kulinarisch gesehen haben Garnelen viele Namen: Shrimps oder Prawns (engl.), Gamberetti (ital.), Crevetten (franz.) und Gambas (span.).
Krabben werden nicht zu den Garnelen gezählt. Bis auf eine Ausnahme, die Nordseegarnele. Ihre offizielle Bezeichnung ist “Sandgarnele” oder – und jetzt wird es etwas verwirrend – “Granat”. Nicht zu verwechseln mit einem Kaisergranat, denn der wiederum gehört zu den im Folgenden beschriebenen Panzerkrebsen.
2. Panzerkrebse (Pleocyemata – von griech. Pleon = schwimmend und Kyema = Leibesfrucht)
Der Kaisergranat, Hummer, Languste, Flusskrebs und Krabbe zählt zu den Panzerkrebsen. Sie alle haben mehr oder weniger beeindruckend große Scheren. Der Kaisergranat wird auch Scampo oder Langostino genannt.
Da Hummer oder auch Langusten Allesfresser mit kannibalen Neigungen sind, lassen sie sich nicht so leicht züchten wie die recht anspruchslosen Garnelen. Außerdem heften sich die befruchteten Eier eine Zeit lang an die hinteren Schwimmbeine. Im Gegensatz zu den Garnelen, die die Eier einfach nur ablegen, betreiben die Panzerkrebse also eine Art Brutpflege.
Dies alles erklärt auch, warum Zuchtgarnelen weitaus günstiger als Scampi aus Wildfang angeboten werden. Wobei natürlich auch das Angebot den Preis bestimmt und nicht immer der bessere Geschmack. Im 18. Jahrhundert waren in den USA die Hummerbestände sehr groß. Gefängnisinsassen protestierten dann gegen die Grausamkeit, dass ihnen täglich Hummerfleisch vorgesetzt wurde. Ich vermute aber, dass Shrimps, Prawns oder Garnelen die aufgebrachte Stimmung wenig beruhigt hätten, denn so weit sind Garnerlen und Panzerkrebse nicht voneinander entfernt. Für das folgende Rezept kann man also durchaus den Geldbeutel entscheiden lassen:
Rezept
Zehnfußkrebse in Chili-Limetten-Knoblauch-Öl
(für 4 Portionen)
Zutaten
- 16 Garnelen (ohne Schale und Darm, frisch oder aufgetaut)
- 1 Knoblauchzehe
- 2 Chilis
- 1 Limette
- ½ Bund Petersilie
- 0,5 Liter mildes Olivenöl
- 1 Liter Wasser
- 50 g Salz
Zubereitung
- Wasser und Salz verrühren. Garnelen ggf. schälen und entdarmen, dann 30 Minuten in die Salzlake legen. So nehmen sie Geschmack an und bleiben beim Garen saftig. (Tiefgefrorene Garnelen können dabei auch auftauen.)
- Knoblauch, Chilis und Limette in dünne Scheiben schneiden. Alles in feuerfeste Porzellanschälchen verteilen.
- Die Schälchen etwa zur Hälfte mit Olivenöl auffüllen.
- Schälchen auf den Grill oder in den Ofen (ca. 180 °C) stellen, bis das Öl Temperatur erreicht. Erkennbar an kleinen Bläschen um die Limettenscheiben.
- Garnelen gut abtrocknen, ins heiße Öl legen und 2–3 Minuten garen. Sie sollten im Kern noch leicht glasig bleiben.
- Petersilie samt Stielen sehr fein schneiden und zum Servieren über die Garnelen streuen.
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