72: Cranachan!

Dem Schotten ist es egal: Mit Blick auf die Highlands schmeckt der Whisky sowieso immer.

Ein Beitrag von Torsten Kluske

Ein Schichtdessert im Glas aus dem sonst nichts schmeckt

Wie in jedem Jahr bin ich Anfang September wieder auf der IFA in Berlin und tippe diese Kolumne im Hotelzimmer. Die Messe geht noch bis Dienstag und lohnt immer einen Besuch. Von mir gibt es zum Beispiel auf dem Stand von Siemens (Halle 1.1) kleine Leckereien aber auch das ein oder andere Tässchen Kaffee oder Gläschen Wein kann man genießen. Womit wir ganz gaumenschmeichelnd beim Thema wären: Glaubt man Kennern der Materie, muss jeder Wein aus dem für ihn perfekten Glas getrunken werden. Nur so entfalte sich das volle Aroma. Für mich ist es dagegen ein ganz besonderer Genuss, Rotwein aus einem schlichten Wasserglas zu trinken. Das verschafft mir eine gewisse Urlaubsatmosphäre. Stimmung geht über Geschmack. Diese Regel hat sicher jeder schon erfahren, der sich ein paar Flaschen des „ach so leckeren“ Rotweins aus dem sonnigen Feriendomizil mitgebracht hat. Trinkt man die vermeintlich edlen Tröpfchen zu Hause, hält sich die Euphorie oft in Grenzen.

Dazu habe ich folgende These: Ein teures Glas macht aus einem schlechten Wein keinen guten. Ein billiges Glas macht aus einem guten Wein keinen schlechten.

Trotzdem musste ich über Olafs Satz schmunzeln, den er bei einem unserer kulinarischen Abende sagte: „Haben wir nicht so ein Glas, aus dem sonst nichts schmeckt? “ Er durchsuchte die Vitrine nach einem passenden Glas für das geplante Schichtdessert.

Das ist die treffendste Beschreibung für diese seltsam geformten, verschnörkelten Gläser, bei denen man nie genau weiß, wofür sie gedacht sind. Für das heutige Gericht sind genau solche Gläser ideal, denn Cranachan, das schottische Nationalgericht, schmeckt aus jedem Gefäß. Und die darin geschichteten Zutaten machen es auch optisch zu einem Genuss. Ursprünglich aß man die Speise, auch bekannt als „Cream Crowdie“, zum schottischen Frühstück: Geröstete Haferflocken mischte man mit einem buttrigen Frischkäse namens „Caboc“. Der Name Cranachan stammt vom gälischen Wort für „Butter“. Mascarpone kommt dem Caboc in Konsistenz und Geschmack recht nahe. Veredelt wird das Dessert natürlich – wie könnte es anders sein – mit einem Schuss Whisky.

Rezept

Zutaten (für 4 Portionen):

  • 300 g TK-Himbeeren (alternativ frisch)
  • 60 g feine Haferflocken
  • 250 ml kalte Schlagsahne
  • 100 g Mascarpone
  • 40 g flüssiger Honig
  • 1–2 EL schottischer Single Malt Whisky
  • ein paar frische Himbeeren zur Deko

Zubereitung:

  1. Haferflocken in einer Pfanne bei mittlerer Hitze mit 1 TL Honig goldbraun rösten. Gelegentlich umrühren und rechtzeitig vom Herd nehmen, damit sie nicht verbrennen. Abkühlen lassen.
  2. Sahne halbsteif schlagen, dann den restlichen Honig und den Whisky einlaufen lassen. Weiterschlagen, bis die Sahne standfest ist.
  3. Mascarpone mit einem Schneebesen vorsichtig unterheben – nicht zu lange rühren, damit die Masse luftig bleibt.
  4. TK-Himbeeren leicht antauen lassen (optional mit etwas Zucker bestreuen, damit sie Saft ziehen). Dann in vier Gläsern abwechselnd Himbeeren, Sahnecreme und drei Viertel der Haferflocken einschichten.
  5. Mindestens 2 Stunden kaltstellen. Vor dem Servieren mit den restlichen Haferflocken und frischen Himbeeren dekorieren.

Tipp:

Für echtes schottisches Flair sollte man selbstverständlich einen guten Single Malt Whisky verwenden. Auch bei dessen Genuss spielt das richtige Glas eine große Rolle und so lässt sich unter Experten trefflich darüber streiten, ob ein Nosing-Glas oder eine Tumbler die richtige Wahl ist. Dem Schotten ist es egal: Mit Blick auf die Highlands schmeckt der Whisky sowieso immer.

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