74: Erbsensuppenzeit 

In Maßen genossen, ist der Klassiker der Feldküche aus grünen oder gelben Schälerbsen richtig lecker. Kein Wunder, dass das Standardrezept aus dem Fundus der Bundeswehr stammt.

Ein Beitrag von Torsten Kluske

Erbsensuppe für die kalten Tage

Ich will ja nicht ungemütlich werden, aber der Herbst klopft an. Unsere Heizung, Baujahr 1991, hat sich in den letzten Tagen entschieden, vom reinen Warmwasserbetrieb auf leichtes Heizen umzuschalten. Ich gönne ihr diese Schrulligkeit. Vielleicht denkt sie: Was stimmt mit Torsten nicht? Der Herbst steht vor der Tür, und ich soll nur Wasser erhitzen?

Vielleicht hat sich die alte Viessmann auch mit meiner Frau verbündet. Vor ein paar Tagen hielt sie mir ihre Nase hin und sagte mit ernstem Blick: „Fühl mal!“ Ich stellte fest: „Die ist kalt.“ Ihr Blick sprach Bände: Mach! Endlich! Die! Heizung! An!

Das Wochenende zögere ich noch hinaus. Es soll ja wieder wärmer werden. Wer auch nach den letzten Sonnenstrahlen noch weiter sparen will, serviert eine heiße Suppe. Denn Herbstzeit ist Suppenzeit. Erbsensuppenzeit!

Vor rund 200 Jahren sah man in der Erbsensuppe übrigens ein noch größeres Sparpotenzial. Anfang des 19. Jahrhunderts kam die Idee auf, bei der Soldatenverpflegung tierisches Eiweiß durch pflanzliches zu ersetzen. Justus von Liebig verdanken wir nicht nur die Mär, dass scharfes Anbraten Fleischporen verschließt, sondern auch die Erbsbrei-Experimente. 1833 führte man einen Feldversuch durch: Soldaten bekamen drei Monate lang nur Hülsenfrüchte. Kulinarisch kaum grausamer vorstellbar. Die Ergebnisse waren im wahrsten Sinne des Wortes verheerend: Liebig konnte zwar zeigen, dass pflanzliches Protein dem tierischen ähnelt, doch die Probanden litten an Vergiftungen und neurologischen Störungen. Georg Büchner, der das Experiment an der Uni Gießen verfolgte, beschrieb diese Folgen anschaulich in seinem Drama Woyzeck.

Doch keine Sorge: In Maßen genossen, ist der Klassiker der Feldküche aus grünen oder gelben Schälerbsen richtig lecker. Kein Wunder, dass das Standardrezept aus dem Fundus der Bundeswehr stammt. Traditionell wird die Suppe in einer Gulaschkanone gekocht, einem verschließbaren Kessel, der den Inhalt zeitsparend druckgart. Ein Schnellkochtopf erzielt ein ähnliches Ergebnis. Ein normaler Topf eignet sich natürlich auch.

Rezept

Erbseneintopf mit Würstchen

für 3–4 Portionen

Zutaten:

  • 500 g getrocknete Schälerbsen
  • 150 g Möhren
  • 150 g Knollensellerie
  • 2 Zwiebeln
  • 1 Stange Lauch
  • 300 g mehligkochende Kartoffeln
  • 150 g geräucherter Bauchspeck
  • 1–2 EL Rapsöl
  • 1 EL getrockneter Majoran
  • 2 Lorbeerblätter
  • 1,5 l Gemüsebrühe
  • ½ Bund Petersilie
  • Salz und Pfeffer
  • 4 Wiener Würstchen (oder Sorte und Menge nach Belieben)
  • Und ein Spritzer Maggi muss sein!

Zubereitung:

  1. Schälerbsen in ein Sieb geben und kurz mit kaltem Wasser abspülen.
  2. Möhren, Sellerie und Zwiebeln schälen und würfeln. Lauch längs vierteln, gründlich waschen und in feine Streifen schneiden.
  3. Bauchspeck ebenfalls würfeln und zusammen mit dem Gemüse in einem großen Topf mit Rapsöl bei mittlerer Hitze anbraten, bis die Zwiebeln glasig sind.
  4. Erbsen, Brühe und Lorbeerblätter hinzufügen. Aufkochen, dann bei kleiner Hitze mit Deckel ca. 90 Minuten köcheln lassen.
  5. Kartoffeln schälen, würfeln und mit dem Majoran in den Topf geben. Weitere 25–30 Minuten sanft köcheln, bis Erbsen und Kartoffeln weich und die Suppe schön sämig ist.
  6. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, Lorbeer entfernen, Petersilie fein hacken und unterrühren.
  7. Würstchen in Scheiben schneiden oder im Ganzen kurz in der heißen Suppe erwärmen.
  8. Die Flasche Maggi auf den Tisch stellen und die Suppe heiß servieren.

Schälerbsen sind, wie der Name schon sagt, geschält und garen auch ohne vorheriges Einweichen verhältnismäßig schnell. Außerdem wird die Konsistenz der Suppe glatter, da sich keine abgelösten Schalen darin befinden. Das sind zwar gesunde Ballaststoffe, aber die dadurch rege Darmtätigkeit kann auch störend sein. Wobei wir zum Abschluss wieder bei den unangenehmen Nebenwirkungen der Erbsbrei-Experimente angekommen wären.

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