- Kolumne
76: Leben mit Federvieh
Ein Beitrag von Torsten Kluske
Der Problemhahn
Einer unserer Nachbarn, wir wohnen in einem recht dicht besiedelten Wohngebiet, dachte sich vor einiger Zeit, es wäre eine gute Idee, Hühner anzuschaffen. Jeden Tag ein Ei und sonntags auch mal zwei. Ein paar Wochen später hielt er es für eine noch bessere Idee, seine Mädelstruppe mit einem Hahn zu ergänzen. Und der Gockel nimmt seinen Job sehr ernst: Jeden Morgen ab ca. 5 Uhr beginnt er mit Gekrähe im Zehnsekundentakt.
Mittlerweile ist offensichtlich nicht nur die Nachbarschaft genervt – kürzlich schrie jemand in die Dunkelheit: „Der verfi..teschei..dreck.hahn soll endlich die Fresse halten” – sondern auch die Hühnerschaft gleichermaßen verstört. Eines der Hühner hat angefangen, den Hahn zu imitieren und „kräht” jetzt mit ihm zusammen.
Der Hahn muss weg! Um es mit Walter Sobchak zu sagen: „Wir sind hier nicht in Vietnam, hier gibt es Regeln“.
Es ist eigentlich ganz einfach: Wer auf die Idee kommt, es wäre doch eine tolle Idee ein paar Hühner im Garten zu halten, findet ein passendes Geschäftsmodell. Meine Frau hat es vor ein paar Jahren ausprobiert:
Fünf Hühner ohne Hahn (!) jedoch mit smartem Geflügel-Tiny-House auf Rädern, kosten für drei Wochen zur Miete zwar ähnlich viel, als würde man das ganze Arrangement kaufen, doch das holt dann auch niemand wieder ab, wenn die anfängliche Euphorie zu Ende geht. Man könnte vielleicht auf die Idee kommen, selbst zum Hühnerverleiher zu werden: Werden die Hühner lästig, vermietet man sie einfach weiter. Doch im Winter wird man sie nicht los? Wer will schon depressives Geflügel, das kaum Eier legt.
Das könnte auch das mürrische Verhalten des Hennen-Vermieters erklären: viel Arbeit im Sommer, wenig im Winter. Auf meine Frage, warum er statt der vereinbarten fünf nur vier Hühner mitbrachte, antwortete er genervt, er könne den ganzen Kram auch direkt wieder mitnehmen, wenn uns das lieber sei. Es handele sich schließlich um hoch qualifizierte Therapie-Hühner und die Anzahl spiele da nur eine untergeordnete Rolle.
So hatten die gackernden Psychologinnen bei uns paradiesische Zustände. Ihr Haus war zu viert gar nicht mehr so „tiny“. Zumal sie auch den halben Garten zu ihrem neuen Refugium erklärt hatten: vier Hühner schafften es locker, in 3 Wochen eine Rasenfläche von ca. 100 qm durchzupflügen und in mehr als ausreichend gedüngten Ackerboden zu verwandeln.
Während ich damals das durchaus entspannende Scharren im Garten verfolgte, saß ich auf der Terrasse und rechnete: Die vier Mädels legten im Schnitt drei Eier pro Tag, was im Miet-Zeitraum etwa 60 Stück ergab. Ein Ei kostete somit 7,50 €.
Eigentlich dachte ich, die Hühner wären lebende Kompostiererinnen, an die man gleich die Essensreste verfüttern könnte. In der mitgelieferten Hühner-Bedienungsanleitung fand ich jedoch folgenden Hinweis: „Reis, Nudeln oder Kartoffeln bitte kochen, gern mit Sauce.“ Vielleicht möchten die feinen Damen noch ein Gläschen Champagner dazu?
Aber ich schweife ab. Was mir fehlt, sind leckere Gockel-Rezepte. Jemand eine Idee?
Rezept
Zutaten für Coq au Vin
- 1 küchenfertiger Hahn (ca. 1,5 kg)
- 150 g magerer Speck, in Würfel geschnitten
- 2 Zwiebeln, gehackt
- 2 Knoblauchzehen, gehackt
- 200 g Champignons, geviertelt
- 2 EL Tomatenmark
- 500 ml trockener Rotwein (Burgunder)
- 500 ml Geflügelfond
- 2 EL Mehl
- 2 EL Öl
- 1 Bouquet garni (Thymian, Lorbeer, Petersilie)
- Salz, Pfeffer
Zubereitung:
- Schritt 1: Den Hahn vorbereiten. Den Hahn in Portionsstücke zerteilen, waschen und trocken tupfen.
- Schritt 2: Anbraten. Öl in einem großen Bräter erhitzen und die Hähnchenteile darin portionsweise anbraten. Speck, Zwiebeln und Knoblauch hinzufügen und mitbraten.
- Schritt 3: Ablöschen. Tomatenmark einrühren und kurz mitrösten. Mit Rotwein ablöschen und Geflügelfond aufgießen. Mit Mehl bestäuben und gut verrühren, damit keine Klümpchen entstehen.
- Schritt 4: Schmoren. Bouquet garni hinzufügen, mit Salz und Pfeffer würzen. Den Bräter schließen und den Hahn ca. 1,5 – 2 Stunden schmoren lassen, bis das Fleisch zart ist.
- Schritt 5: Champignons hinzufügen. Champignons ca. 30 Minuten vor Ende der Garzeit hinzufügen.
- Schritt 6: Servieren. Vor dem Servieren das Bouquet garni entfernen. Den Coq au Vin mit frischem Baguette oder Kartoffeln servieren.
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