- Kolumne
79 Porridge – Don´t call it Haferschleim
Ein Beitrag von Torsten Kluske
Vom Pferdefutter zum Superfood
Wenn dich der Hafer sticht, hast du vielleicht zu viel davon gegessen. Das Sprichwort geht auf Beobachtungen zurück, die man einst bei Pferden gemacht hat: Die drehten nach übermäßigem Genuss des Getreides völlig durch. Zunächst nahm man an, dieses Verhalten läge an aufputschenden Inhaltsstoffen. Doch die sind nach heutigem Wissensstand im Hafer gar nicht enthalten. Im Gegenteil: Wenn überhaupt, wirkt er eher beruhigend. Und so liegt eine andere Erklärung näher: Die Pferde fraßen den Hafer mitsamt der Spelze und das piekte unangenehm beim Ausscheiden.
Die entspannende Wirkung, die den Inhaltsstoffen des Hafers zugeschrieben wird, könnte dessen Siegeszug zum heutigen Superfood erklären. Vom Haferschleim unserer Jugend ist dabei nicht mehr viel geblieben, obwohl die Zubereitung des heute angesagten Porridges recht ähnlich ist: Haferflocken mit heißer Milch übergießen und einige Zeit quellen lassen. Wobei Kuhmilch natürlich schon etwas 80er ist. Heute greift der moderne Großstadtmensch eher zu Hafermilch. Oder übergießt die Flocken einfach gleich mit heißem Wasser, denn Hafermilch ist auch nichts anderes als Wasser und Hafer.
Glaubt man den TV-Ernährungsdocs, wird mit dieser Kombination alles besser: Weg mit der Weizenwampe, her mit dem Hafer-Sixpack. Schon nach wenigen Wochen Haferkur sinkt der Blutzuckerspiegel, der Fettstoffwechsel reguliert sich und man verliert Gewicht. Leider auch jegliche Freude am Essen, denn die Kur besteht aus täglich drei Mahlzeiten mit je 75 g kernigen Haferflocken und 300 ml Wasser. Wird man dann 100 Jahre alt? Nein, aber es kommt einem so vor.
Zur Haferkur fand ich bei Dr. Riedl, dem omnipräsenten Hüter deutschen Ernährungspyramide, folgenden Tipp: Für kulinarische Abwechslung in den Haferschleim „täglich 100 g leckeres, gedünstetes Gemüse, z.B. Brokkoli, Lauch oder Zucchini“ geben.
Was versteht man an dem Wort „lecker” falsch? Lecker gedünsteter Lauch mit Haferschleim? Ernsthaft?
Es geht auch richtig lecker:
In jedes Schälchen 50 g Haferflocken füllen und mit 120 ml heißer Milch begießen, sodass die Haferflocken bedeckt sind. Anschließend über Nacht quellen lassen und am nächsten Morgen mit Früchten, Nüssen und Honig genießen. Und wir nennen das Ganze auf keinen Fall Haferschleim, sondern Porridge. Das Ohr isst ja schließlich mit.
Rezept
Zutaten für Porridge (pro Portion):
- 50 g Haferflocken
- 120 ml heiße Milch (oder Hafermilch)
- Früchte nach Wahl
- Nüsse nach Wahl
- Honig nach Geschmack
Zubereitung:
- Schritt 1: Haferflocken vorbereiten: 50 g Haferflocken in ein Schälchen geben.
- Schritt 2: Milch hinzufügen: Mit 120 ml heißer Milch (oder Hafermilch) übergießen, sodass die Haferflocken bedeckt sind.
- Schritt 3: Quellen lassen: Über Nacht im Kühlschrank quellen lassen.
- Schritt 4: Toppings hinzufügen: Am nächsten Morgen mit Früchten, Nüssen und Honig nach Geschmack garnieren.
- Schritt 5: Genießen: Und wir nennen das Ganze auf keinen Fall Haferschleim, sondern Porridge!
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