82 Sprachsalat

Mit dem Namen Besserbissen zieht man so einige Klugbeißer in den Kommentaren an. Und das schlimmste, manchmal haben sie recht.

Ein Beitrag von Torsten Kluske

Rösten ohne Öl? Sprache ist ein Trampelpfad.

Heute möchte ich dir einen kleinen Einblick in meine Welt geben: Die Welt der sozialen Medien – genauer gesagt, in die Kommentare, die ich auf meine Videos so bekomme. In meinem Fall geht es dabei nicht um die sonst so gefürchteten Hasskommentare. Die bekomme ich so gut wie gar nicht. Ich bekomme Besserwisser-Kommentare. Ich weiß, was du denkst: “Wer hat denn angefangen?”

Kürzlich habe ich beispielsweise ein Video veröffentlicht, in dem es um das Anrösten von Kernen, Saaten oder Nüssen für einen Salat ging. Ich empfahl, beispielsweise Pinienkerne nicht trocken in einer Pfanne zu bräunen, sondern in heißem Öl.

Kommentiert wurde sofort: „Rösten ist ohne Öl.“

Ja, er hat recht und mit seinem Kommentar und leider auch gleich mich geröstet. Denn ich muss ihm vor allem schon deswegen zustimmen: Eine klare Begriffsdefinition kann in der Küche wirklich hilfreich sein. Vor allem, wenn dadurch Abläufe in der Küche erleichtert werden. Die Vorgabe „Röste mir mal die Pinienkerne“ wäre dann eindeutig definiert: Bräune sie ohne Fett! Kein Larifari also.

Problematisch wird es jedoch, wenn der Begriff „Rösten“ mal so, mal so verwendet wird. Wer sich zum Beispiel im Restaurant Röstkartoffeln bestellt, wäre sicher höchst verwundert über eine Zubereitung ohne Fett.

Sprache ist ein Trampelpfad: Auch wenn man versucht, die Richtung vorzugeben, macht irgendwann doch jeder, was er will und latscht durch die Butnik, wenn es eine Abkürzung ist. Wer verwendet heute schon die Begriffe Panierung und Panade richtig?

Sogar die “Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse”, – die Bibel des kulinarischen Klugscheißens – fordern:

Aufgetragen wird jedoch eine Panierung, mit einer Panade könnte man das Schnitzel höchsten füllen.

Apropos: Ein anderes Video, das ich kürzlich gezeigt habe, drehte sich um ein Cordon Bleu. Der erste Kommentator – oft sind es Männer – schrieb:

“Cordon bleu ist nach den deutschen Leitsätzen immer aus Kalbfleisch. Es sei denn es heißt Cordon bleu vom Schwein.”

Vielleicht hat er Sorge, beim Mittagstisch eine Abmahnung der Familie zu bekommen, wenn das gefüllte Stück aus dem falschen Säugetier geschnitten wurde. Aber natürlich hat er Recht: Auch das ist selbstverständlich in den schon erwähnten Leitsätzen geregelt:

So. Da könnt ja sonst jeder kommen.

„Aber was ist denn nun mit den gerösteten Kernen?“, fragst du dich jetzt zum Abschluss. In diesem Fall gibt es zwei Wege zu einem gleichmäßigen Ergebnis: entweder ca. 20 Minuten unter gelegentlichem Rühren im Backofen bei 160 °C oder – wie im Video gezeigt – mit Öl in Pfanne oder Topf. Dann werden sie allerdings nicht geröstet, sondern gebraten. Oder frittiert? Wo ist denn da eigentlich der genaue Unterschied?

Rezept

Zutaten für Geröstete Kerne (Variante 1: Backofen):

  • Rohe Kerne (z.B. Pinienkerne, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne)

Zutaten für Geröstete Kerne (Variante 2: Pfanne/Topf mit Öl):

  • Rohe Kerne (z.B. Pinienkerne, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne)
  • Etwas Öl (z.B. Olivenöl, Sonnenblumenöl)

Zubereitung:

  1. Schritt 1: Backofen vorheizen (Variante 1): Den Backofen auf 160 °C vorheizen.
  2. Schritt 2: Kerne verteilen (Variante 1): Die Kerne auf einem Backblech verteilen.
  3. Schritt 3: Rösten im Backofen (Variante 1): Die Kerne ca. 20 Minuten im Ofen rösten, dabei gelegentlich umrühren, bis sie goldbraun sind.
  4. Schritt 4: Pfanne/Topf erhitzen (Variante 2): Etwas Öl in einer Pfanne oder einem Topf erhitzen.
  5. Schritt 5: Kerne anbraten (Variante 2): Die Kerne in das heiße Öl geben und unter Rühren anbraten, bis sie goldbraun sind.
  6. Schritt 6: Abkühlen lassen: Die gerösteten Kerne abkühlen lassen und genießen oder weiterverarbeiten.

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