85 Küchenschlacht

Mit einem Augenzwinkern zurück in die „Küchenschlacht“: Eine humorvolle Anekdote, ein überraschender Sieg und ein Rezept, das selbst den größten Kritiker überzeugt.

Ein Beitrag von Torsten Kluske

Born to be wild - auf in die Küchenschlacht

„Torsten erwartet den Sieg“ las Johann Lafer von einer seiner Karten ab, die ihm für die Vorbereitung der “Küchenschlacht” zugesteckt wurden. Wir saßen vor ziemlich genau 10 Jahren in einem Aufenthaltsraum des Studios. Alle 6 Kandidatinnen und Kandidaten sollten sich und Johann, den Moderator der Sendung, etwas näher kennenlernen.

Nach einem Blick in die verstörten Gesichter der anderen habe ich natürlich gleich erwidert, dass ich das so ja gar nicht gemeint hätte. Johann sagte nur: „Steht hier aber.“

Und ja, dunkel erinnerte ich mich an eine Frage des vorab verschickten Formulars zur Sendung: Was erwartest du von der Teilnahme bei der Küchenschlacht?

Ganz nach meinem Lebensmotto, das unter meinem Portrait in der Abi-Zeitung stand – lieber einen Freund verloren, als eine Pointe verpasst –, hatte ich mich da möglicherweise etwas zu weit aus dem humorigen Fenster gelehnt.

Mit fünf neu gewonnenen Freundinnen und Freunden ging das Kochen dann munter los. Nach drei Tagen, in denen die fünf Sendungen abgedreht wurden, hatte ich das Finale gewonnen und ich musste mich stark zusammenreißen, dass mir kein „Hab ich doch gesagt!“ rausrutschte. Ich wollte schließlich nicht das letzte Fünkchen Rest-Sympathie, das ich mir nach dem tiefen Fall im Erstgespräch mühsam aufgebaut hatte, wieder im Keim ersticken.

Auch die zweite Runde, die Championsweek, in der die 6 Siegerinnen und Sieger aus den ersten sechs Sendungen gegeneinander kochten, konnte ich für mich entscheiden. Und so rutschte ich in das Jahresfinale. Das war damals übrigens das erste dieser Art. Das Ziel war nah und ich wusste: Wenn ich das gewinne, winken 25.000 € Preisgeld. Oder anders formuliert: Wenn die Katze ein Pferd wäre, könnte man den Baum hoch reiten.

Beworben hatte ich mich für die Teilnahme bei der Sendung unter ganz anderen Voraussetzungen: Eines Nachmittags besuchte ich meine Eltern und erwischte sie dabei, wie sie um 14 Uhr die Küchenschlacht sahen. Nachdem ich das Treiben kurz verfolgt hatte, sagte ich mit einem ironischen Unterton, dem dann doch immer auch ein bisschen Wahrheit innewohnt: „Die können ja gar nix“. Meine Mutter, eine Expertin der Küchenschlacht, entgegnete sofort, dass da durchaus hervorragende Hobbyköchinnen und -köche teilnähmen und ich könne mich ja mal bewerben, wenn ich so von meinem Kochen überzeugt wäre.

Und sie hatte Recht, das Niveau war schon in der ersten Woche sehr hoch und so hatte ich das Finale der Einstiegsrunde nur mit viel Glück gewonnen. Und spätestens in der Finalrunde wussten alle: Nur mit Glück wird man hier gewinnen. Abgesehen vom späteren Gewinner: Der hatte schon während der Aufzeichnung großspurig verkündet, von dem Preisgeld würde er sich einen BMW kaufen. Was stimmte mit dem eigentlich nicht? Wer ist so überheblich und erwartet einen Sieg? Ich bin da bescheidener. Mein Motto ist selbstverständlich: Dabei sein ist alles.

Ein Gericht kam bei dem Team der Küchenschlacht besonders gut an. Die Idee zum Anrichten kam mir eines morgens beim Duschen. Manche singen, andere kreieren Rezepte:

Rezept

Zutaten für das Fleisch:

  • 1 Hirsch-Filet aus dem Mittelstück, à 200 g
  • 50 ml Rotwein, trocken
  • 30 ml Portwein
  • 100 ml Wildfond
  • 1 EL Johannisbeergelee
  • 1 EL Sojasauce
  • 1 EL dunkler Balsamico
  • 50 g kalte Butter
  • 1 TL ungesüßtes Kakaopulver
  • 1 EL Rapsöl, zum Anbraten
  • Zucker, zum Abschmecken
  • Salz, aus der Mühle
  • Schwarzer Pfeffer, aus der Mühle

Zutaten für die Birne:

  • 2 große Birnen, nicht zu weich
  • 1 EL Rapsöl, zum Anbraten

Zutaten für das Walnuss-Quinoa-Crumble:

  • 6 geschälte Walnüsse
  • 4 EL gepuffte Quinoa-Samen
  • 1 Bund glatte Petersilie
  • Salz, aus der Mühle

Zutaten für die Pfifferlinge:

  • 16 kleine Pfifferlinge
  • 1 EL Ras el hanout
  • 2 EL Rapsöl
  • Salz, aus der Mühle
  • Schwarzer Pfeffer, aus der Mühle

Zutaten für die Garnitur:

  • 4 große Rucola-Blätter

Zubereitung:

  1. Schritt 1: Backofen vorheizen: Den Backofen auf 100 Grad Umluft vorheizen.
  2. Schritt 2: Fleisch vorbereiten und garen: Filet von Fett und Sehnen befreien und in 4 Medaillons portionieren, salzen und in einer heißen Pfanne mit etwas Rapsöl rundherum anbraten. Anschließend auf einem Backblech für 15 Minuten im Ofen bei 100 °C weitergaren. Die Kerntemperatur sollte bei 55 Grad liegen. Fleisch nach dem Garen 5 Minuten ruhen lassen.
  3. Schritt 3: Sauce zubereiten: Bratensatz in der Pfanne mit Port- und Rotwein ablöschen und stark einkochen, mit Wildfond auffüllen, Johannisbeergelee zufügen und wiederum 15 Minuten einkochen. Mit Soja-Sauce und dunklem Balsamico abschmecken. Sauce durch ein Sieb in einen Topf gießen und zum Binden nach und nach kalte Butter einrühren.
  4. Schritt 4: Birne vorbereiten und anbraten: Aus der Mitte der Birnen längs eine 5 mm dicke Scheibe schneiden. Vorsichtig die Schale dünn abschälen, ohne den Stiel zu entfernen. Mit einem runden Ausstecher das Kerngehäuse entfernen. Scheiben mit Salz und etwas Zucker würzen und in einer heißen Pfanne in Rapsöl anbraten.
  5. Schritt 5: Walnuss-Quinoa-Crumble zubereiten: Walnüsse mit einem Messer grob durchhacken. In einer Pfanne mit zerlassener Butter Nüsse und gepufften Quinoasamen anrösten. Mit Salz abschmecken. Blätter der glatten Petersilie abzupfen und sehr fein schneiden. Mit der ausgekühlten Nuss-Mischung vermengen und auf einem flachen Teller ausbreiten.
  6. Schritt 6: Pfifferlinge zubereiten: Pfifferlinge säubern und von trockenen Stellen befreien. In einer Schale das Ras el hanout-Gewürz mit 2 EL Rapsöl mischen und die Pfifferlinge darin schwenken. In einer heißen Pfanne langsam rundherum anbraten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  7. Schritt 7: Rucola anrösten: Rucolablätter mit Rapsöl bestreichen und in einer heißen Pfanne knusprig anrösten. Dabei leicht auf den Pfannenboden drücken.
  8. Schritt 8: Anrichten: Zum Anrichten einen großen Servierring (ca. 12 cm) mittig auf den Teller stellen und dünn mit der Sauce füllen. Den Ring entfernen und die Birnenscheibe auf der Sauce anrichten. Das Loch des Kerngehäuses sollte in der Mitte liegen, die Spitze mit dem Stängel nach unten zeigen. Das Hirschmedaillon kurz in die restliche Sauce und dann in die Nussmischung tunken. Dann mittig auf die Birne setzen. Rund um die Birne die Pfifferlinge verteilen. Zum Schluss je 2 Rucolablätter als Geweih an die Birne setzen.

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