- Kolumne
86 Bratapfel
Ein Beitrag von Torsten Kluske
Feuer und Eis: Abenteuer im Garten Eden
Kinder, kommt und ratet, was im Ofen bratet! Hört, wie’s knallt und zischt. Bald wird er aufgetischt, der Zipfel, der Zapfel, der Kipfel, der Kapfel, der gelbrote Apfel.
Wer Synonyme für den Bratapfel sucht, findet in diesem Gedicht reichlich Auswahl. Und ganz besonders gefällt mir auch der Reim „ratet“ auf „bratet“.
Auch sonst ist es interessant, wie eng die Winter- und Weihnachtszeit mit Äpfeln verbunden ist. Wenn ich in einen kalten Apfel beiße, weckt das sofort winterliche Kindheitserinnerungen in mir:
Auf dem Nachbargrundstück, das an unser Haus grenzte, standen ein paar Apfelbäume. Das alte Gebäude, eher Baracke als Haus, sollte im Frühjahr einem Anbau der Fleischerei meiner Eltern weichen. In der Übergangszeit nutzen wir Kinder das Gelände als Abenteuerspielplatz. Und da sich niemand so richtig um die Ernte der im November reifen Äpfel kümmerte, hingen sie auch nach dem ersten Schneefall noch an den Bäumen.
So konnten wir wie im Garten Eden hin und wieder einen Zipfel oder Zapfel pflücken und verzehren. Ein eiskalter Hochgenuss. Doch kein Paradies ohne Schlange und meine Schlange war damals das Feuer. Ich weiß nicht mehr genau, wo diese Leidenschaft ihren Ursprung hatte, aber sie endete im Garten mit den Eisäpfeln. Genauer gesagt, in dem maroden Gebäude, das dort stand.
Wir Kinder hatten damals viele Freiheiten und so dachte ich, es wäre ein super Idee, in dem alten Haus ein paar Experimente mit Feuer zu starten. In einer Ecke lag eine Art Vitrine aus gelblich-verblichenem PVC – vielleicht einst für Kuchen oder ähnliches gedacht – zumindest als der Kunststoff noch durchsichtig war. Der rechteckige und etwa 50 cm hohe Plastik-Tresen zischte mir zu: „Torsten, halt mal ein Streichholz an mich dran.“ Gesagt, getan und als die kleine Flamme gerade so Kontakt zu dem spröden und weichmacherfreien Kunststoff hatte, machte es „Fump“ und das Ungetüm stand in Flammen. Panik kam auf, als das Feuer schlagartig den halben Raum füllte.
Das gute war: Meine Pyromie-Phase war schlagartig geheilt.
Heute beschränkt sich meine Leidenschaft für Feuer auf den Kamin. Und zum perfekten Genuss wird so ein Abend vor dem wärmenden Ofen mit einem Bratapfel. Ein Kipfel, ein Kapfel, ein gelbroter Apfel – natürlich mit selbstgemachter Vanillesauce.
Rezept
Zutaten für die Vanillesauce:
- 250 ml Milch
- 125 g Vanillezucker
- 4 Eier (M) – nur die Eigelbe werden verwendet
- 1 TL (ca. 10 g) Stärke
- Prise Salz
Zutaten für die Bratäpfel:
- 4 säuerliche, mürbe Äpfel (z.B. Boskoop)
- 80 g Studentenfutter
- 1 TL Zimt (mein Favorit: Vietnamesischer Königszimt)
- 80 g Marzipan
- 60 g Butter
Zubereitung:
- Schritt 1: Den Backofen auf 180 °C Umluft vorheizen.
- Schritt 2: Die Eier genau 10 Minuten kochen und danach in eiskaltem Wasser vollständig auskühlen lassen. Anschließend pellen, halbieren und nur die Eigelbe in einen Mixbecher geben. Die Eiweiße werden für dieses Rezept nicht benötigt.
- Schritt 3: Für den Vanillezucker nehme ich eine halbe Vanilleschote und lasse diese in einem Glas mit Zucker trocknen. Anschließend in einem Mörser oder einem Blitzhacker fein zerkleinern.
- Schritt 4: Kalte Milch, Stärke, Vanillezucker und eine Prise Salz in einen Topf verrühren, dann aufkochen und kurz köcheln lassen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Alles über die Eigelbe gießen und mit dem Stabmixer glattmixen. Im Topf bis zum Servieren warmhalten.
- Schritt 5: Das Kerngehäuse mit einem runden Ausstecher (ca. 3-4 cm Durchmesser) aus den ungeschälten Äpfeln entfernen. Das Loch von unten mit etwas Marzipan verschließen.
- Schritt 6: Das Studentenfutter im Blitzhacker oder mit einem Messer zerkleinern. Mit Zimt mischen und von oben in den Hohlraum in den Äpfeln füllen. Mit einem Stück Butter abschließen. Die Äpfel auf ein Blech oder in eine ofenfeste Form stellen und im vorgeheizten Backofen bei 180 °C Umluft 30 Minuten backen.
- Schritt 7: Zum Servieren je einen Saucenspiegel (dünne Schicht Sauce) auf die Teller füllen, in die Mitte einen Bratapfel setzen und rundherum noch etwas Zimt verteilen.
Küchenwissen mit
BESSERBISSEN
Die kostenlose kulinarische Kolumne. Über 4.000 Leser erhalten sie jeden Samstag pünktlich zum Frühstück. Sei auch du dabei und verpasse nichts.