87 5-Spice-Sirup

Die Gewürzmischung „Five-Spice“ bringt weihnachtliche Stimmung in die Küche.

Ein Beitrag von Torsten Kluske

Fünf Gewürze für ein Halleluja

Die Zahl fünf spielt in vielen Bereichen des Lebens eine Rolle: fünf Sinne, fünf Finger, fünfstellige Postleitzahlen und fünf Elemente. Letztere sind je nach Kulturkreis unterschiedlich zusammengestellt: In der antiken, griechischen Lehre waren es Erde, Wasser, Luft, Feuer und die Quintessenz – also das Göttliche oder eben der fünfte Stoff.

In der chinesischen Philosophie sind die fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Und es geht auch um die Beziehungen untereinander: Holz nährt das Feuer, Wasser löscht es. Ich merke gerade, mit meinem eher rudimentären Wissen aus einem kurzen Philosophie-Studium betrete ich dünnes Eis.

Also zurück ins sichere Fahrwasser der Kulinarik: Auch eine Gewürzmischung, die für unseren Gaumen kaum weihnachtlicher sein könnte, kommt aus China und enthält fünf Essenzen: Five-Spice. Die Komposition aus Sternanis, Gewürznelken, Fenchelsamen, Szechuanpfeffer und Cassia-Zimt würzt im Reich der Mitte Fleischgerichte und Saucen.

Die fünf Gewürze sind natürlich nicht zufällig gewählt, sondern lassen sich den fünf Elementen zuordnen:

Feuer: Cassia-Zimt
Er enthält hohe Menge an Cumarin. Wie schon in der letzten Kolumne erwähnt, sollte man es mit dem Konsum nicht übertreiben, doch in kleinen Mengen ist Cumarin durchaus geschmackvoll: Es sorgt für eine leichte Schärfe und warme, leicht süßliche Aromen.

Metall: Szechuanpfeffer
Er hat botanisch gesehen nichts mit seinem Namensvetter, dem echten Pfeffer, zu tun. Im Mund verbreitet er zwar eine leichte Schärfe, das eigentlich Bemerkenswerte ist jedoch ein Prickeln oder Taubheitsgefühl, das sich auf der Zunge ausbreitet.

Erde: Gewürznelken
Auch sie enthalten einen Stoff, der leicht betäubend wirkt und somit bei Zahnschmerzen hilft: Eugenol. Der Aromastoff ist zudem für den charakteristischen Geschmack der Blütenknospen verantwortlich.

Holz: Fenchelsamen
Dabei handelt es sich genau genommen um Früchte. Sie haben geschmacklich Ähnlichkeiten mit Anis und Dill, daher kommen Sie zum Abrunden des Geschmacks auch häufig in Absinth oder Pastis zum Einsatz.

Wasser: Sternanis
Süßlich-kühl – das ist eine aromatische Beschreibung, die man oft mit Sternanis verbindet. Das leicht Ätherische hat vielleicht auch die Verbindung zum Element Wasser gereicht. Neben der Verwendung in süßen Speisen ist der dekorative Star auch für herzhafte Gerichte eine Offenbarung. Er veredelt nicht nur Chili con Carne und eine gute Bolognese, sondern verleiht auch einer knusprig gebratenen Entenbrust eine spannende Note.

Damit sind die fünf Gewürze beisammen. Zum Schluss noch eine Frage, ehe es zum passenden Rezept geht:

Gibt es die Spice Girls eigentlich noch? Die waren zumindest zum Höhepunkt ihres Ruhms auch zu fünft. Doch trotz des Bandnamens, wurden den Mädels bis auf eine Ausnahme keine Gewürze zugeordnet: Geri Halliwell trug ihr Pseudonym “Ginger Spice” wahrscheinlich auch weniger in Anlehnung an die würzige Wurzelknolle, als wegen ihrer roten Haare.

Wem ‚Last Christmas‘ zu den Ohren heraus hängt, dem empfehle ich als bestes-Weihnachtslied-das-kein-Weihnachtslied-ist diesen Klassiker der Spice Girls.

Und jetzt zum Rezept. Es gibt einen 5-Spice-Sirup. Damit lassen sich nicht nur heiße Getränke und Desserts verfeinern, er sorgt auch für eine knusprige und aromatische Entenhaut, wenn man ihn dünn darauf verstreicht.

Rezept

Zutaten für ein Glas (ca. 300 ml) mit 5-Gewürze-Sirup:

  • 140 ml Wasser
  • 250 g Zucker
  • 1 EL Fenchelfrüchte
  • 1 EL Szechuanpfeffer
  • 2 Cassia-Zimtstangen
  • 3 Gewürznelken
  • 3 Sternanis
  • 1 EL Zitronensaft

Zubereitung:

  1. Gewürze rösten: Die Gewürze in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze anrösten, bis sie anfangen zu duften.
  2. Zucker und Flüssigkeit zugeben: Zucker, Wasser und Zitronensaft zufügen und bei kleiner Hitze sanft köcheln lassen.
  3. Sirup kochen: Alles etwa 30 Minuten köcheln lassen, bis sich der Zucker aufgelöst hat.
  4. Abseihen: Den Sirup durch ein Sieb in ein verschließbares Glas füllen.
  5. Dekorieren: Sternanis und Zimtstangen dekorativ wieder in das Glas geben.

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