88 Haferkekse mit Hanf

Wie Space Cookies Diskussionen anregen und wieso Hopfen auch ganz ohne Rausch für Aroma sorgt.

Ein Beitrag von Torsten Kluske

Wie man den gewissen Pfiff in Kekse bekäme.

Vor einer Woche saß ich bei einer Weihnachtsfeier und unterhielt mich mit meinem Gegenüber über Space Cookies, also Kekse, die THC enthalten – keine Ahnung, wie wir auf das Thema kamen.
Schon nach kurzer Zeit zeigte der ganze Tisch reges Interesse an den Ausführungen zur Zubereitung. Wir blieben natürlich auf rein theoretischer Ebene: Was müsste man beachten, käme man auf die Idee, Kekse mit berauschender Wirkung zu backen?
Beim Backen mit Cannabis wären einige Vorbereitungen zu treffen, damit die Kekse den gewissen Pfiff bekämen. Denn Cannabis sativa, Cannabis indica oder deren Kreuzungen entfalten ihre berauschende Wirkung erst unter bestimmten Bedingungen:

Die unbehandelte Pflanze enthält einen Stoff namens Tetrahydrocannabinolsäure. Und THCA, so die Abkürzung, hat keine psychoaktive Wirkung. Diese entfaltet es erst, wenn man eine Carboxylgruppe (-COOH) abspaltet. Dadurch wird aus THCA das berauschende THC. Man nennt diesen Vorgang „decarboxylieren“ und er läuft unter bestimmten Bedingungen, beispielsweise Hitze ab.
Interessanterweise muss auch Hopfen für das Bierbrauen mit Hitze vorbereitet werden: erst dann entstehen die gewünschten Bitterstoffe. Das kommt auch nicht von ungefähr, denn Cannabis und Hopfen gehören zur selben botanischen Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae).
Die Natur hat das ganz bewusst so eingerichtet, denn mit THC und mit Bitterstoffen schützen sich Hanfgewächse vor Fressfeinden oder anderem Stress, beispielsweise durch Trockenheit oder UV-Strahlung.
Der Witz ist eigentlich, dass der Mensch irgendwann auf die Idee kam, genau diese biochemischen Kampfstoffe aus Gründen des Genusses oder Rausches zu konsumieren. Vielleicht ist auch genau das die Taktik der Pflanze: Wenn der Fressfeind erst einmal völlig zugedröhnt in der Ecke liegt, kann er keinen weiteren Schaden verursachen. Zumindest nicht an der Pflanze.

Trotz Legaliserung haftet Cannabis immer noch ein gewisses Schmuddel-Image an. Und genau da böten sich Kekse als gesellschaftlich akzeptierte Form des Konsums an. Wer will schon Mutti in der Küche mit einem munter qualmenden Joint sehen? Was sollen die Nachbarn sagen? Denn wenn man eines kaum vertuschen kann, ist es der würzig-herbe Geruch, den Cannabis beim Erhitzen verbreitet. Das Problem bei Backwerk mit THC-Gehalt ist allerdings, dass man nie genau weiß, wieviel Wirkstoff enthalten ist. Zudem entfaltet sich die Wirkung über die Verdauung erst mit erheblicher Verzögerung von mindestens 30–60 Minuten. Wenn ich solche Kekse konsumieren würde, würde ich erst einmal einen Halben davon probieren und dann die Wirkung abwarten.

Daher bin ich mir auch nicht sicher, ob man mit der Back-Anleitung für sogenannten Space-Cookies nicht auch eine rechtliche Grauzone betritt. Daher im Folgenden ein leckeres Rezept für Hafer-Kekse, falls gewünscht mit Hanf-Aroma. Natürlich ganz legal mit Hopfen, einer Pflanze aus der Gattung der Hanfgewächse (Cannabaceae).

Rezept

Zutaten (ca. 40 Stück)

  • 200 g weiche Butter
  • 160 g Zucker
  • 2 Eier
  • 2 TL Vanillezucker (optional)
  • 240 g Haferflocken
  • 160 g Mehl
  • 2 TL Backpulver
  • 1 Prise Salz

Zubereitung

  1. Backofen vorheizen: Auf 180 °C Ober-/Unterhitze (Umluft 160 °C) einstellen.
  2. Teig vorbereiten: Butter und Zucker cremig rühren.
  3. Eier einrühren: Eier und Vanillezucker unterrühren.
  4. Trockene Zutaten verbinden: Mehl, Backpulver und Salz mischen, dann mit Haferflocken unterheben.
  5. Teig aufteilen: Mit einem Esslöffel Portionen auf Backpapier setzen und leicht flach drücken.
  6. Backen und abkühlen: 10–12 Minuten backen, abkühlen lassen, sie werden beim Abkühlen fester.

Aroma-Tipp

  1. Hopfen vorbereiten: 5 g getrockneten Hopfen klein schneiden, auf Alufolie verteilen, zweite Folie darüber, Ränder je 1 cm 3x umklappen.
  2. Erhitzen: Bei 110 °C Umluft 45 Minuten im Ofen erhitzen.
  3. Butter aromatisieren: 200 g Butter in Glas geben, Hopfen dazu, bei 90 °C für 4 Stunden im Wasserbad erwärmen.
  4. Sieben: Butter durchs Sieb gießen, Blüten entfernen. Fertig ist die Hopfenbutter.

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