91: Devilled Eggs

Gefüllte Eier neu gedacht: Kombination aus russischer und teuflischer Variante mit Kaviar und Cayenne.

Ein Beitrag von Torsten Kluske

In den USA war am 2.11. der „Devilled Eggs Day”. Dieser inoffizielle Feiertag ist bisher komplett an mir vorbeigegangen. Aber die Amis haben recht: gefüllte Eier sind eine Party wert. In Amerika und England werden sie nicht wie bei uns „russisch“, sondern „teuflisch“ genannt, weil sie scharf gewürzt werden. Scharf im Sinne von „scharf“ aber auch im Sinne von sauer. Typisch teuflische Zutaten sind demnach scharfer Senf, Pfeffer, Cayenne, oder Essig.

Der Begriff „devilled“ – britisch mit zwei, amerikanisch mit einem „L“ geschrieben, taucht im 18. Jahrhundert erstmals in englischen Kochbüchern auf. Und schnell fuhr der Satan in alles, was pikant war: Devilled Ham, Beef, Chicken, Toast oder eben Eggs.

Letztere feierten dann auch in Deutschland in den 50er-70er Jahre ihren Durchbruch und überrollten die Buffet-Tische der Nation. Wobei „rollen“ es nicht ganz trifft, denn sie wurden zum Anrichten halbiert. Allerdings ließ die Würze einem nicht die Röte ins Gesicht steigen: mittelscharfer Senf, Mayonnaise und Gewürzgurken mit etwas Paprikapulver vermischt, sorgten eher für Weich- anstatt Teufelseier.

Bei dem Gericht waren sich ob der Zutaten DDR und BRD übrigens ziemlich einig. Und auch der Einsatz von Kaviar als Deko- und Geschmackselement war im Westdeutschland der 60er Jahre nur exklusiven Runden und besonderen Anlässen vorbehalten. Meist war es etwas Petersilie und Paprikapulver, dass als Topping reichen musste.

Der Name „russische Eier“ geht nicht darauf zurück, dass das Gericht etwa dort seinen Ursprung hat. Die gefüllten Eier lassen sich vielmehr von einem anderen, historischen Gericht ableiten: Einen Salat von Lucien Olivier. Olivier war ein belgischer Koch, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Moskau lebte und im berühmten Restaurant „Hermitage“ als Küchenchef arbeitete. 1860 entwickelte er eine aufwändige Vorspeise. Die Rezeptur hütete er wie seinen Augapfel, sodass nur er die vollständige Zubereitung aus Auerhahn, Kalbszunge, Kapern, Gewürzgurken, Eiern und einer geheimen Zauber-Mayonnaise kannte. Aber so ist das, wenn man seine Rezepte mit ins Grab nimmt: Heute ist der Salat zwar in Russland immer noch beliebt, doch zu einem schnöden Kartoffelsalat mit Eiern, Gurke und Mayo geworden.

Da war doch was? Genau: Eier Gurken und Mayo sind auch die Protagonisten der gefüllten Eier.

Für das nun folgende Rezepte habe ich russischen mit teuflischen Eiern kombiniert. So entsteht eine wunderbar würzige Version. Durch die Flüssigkeit in den für die Füllung verwendeten Kapern und Gewürzgurken wird die Creme auch nicht ganz so fest. Und das finde ich beim Verzehr der halbierten Eier durchaus angenehm. In meiner Kindheitserinnerung war so ein halbes, gefülltes Ei, das man sich komplett in den Mund schieben musste, oft eine etwas trockene Angelegenheit.

Rezept

Zutaten für 8 Devilled Eggs:

  • 100 g Mayonnaise
  • 2 Gewürzgurken
  • 1 EL Kapern
  • 2 Sardellen
  • 1 TL Kurkuma
  • 1/2 TL Cayenne-Pfeffer
  • 1 EL fein gehackte Petersilie
  • Salz und Zitronensaft zum Abschmecken
  • Kaviar und Petersilienblätter zum Dekorieren

Zubereitung:

  1. Eier kochen: Die Eier genau 10 Minuten kochen und in Eiswasser vollständig abkühlen lassen.
  2. Eier halbieren: Die Eier halbieren und das Eigelb in einer Schüssel zusammen mit Mayonnaise zu einem feinen Mus zerdrücken.
  3. Zutaten hacken: Gewürzgurken, Sardellen, Kapern und Petersilie sehr fein zerkleinern und unter die Eier-Mayo mischen.
  4. Würzen: Mit Salz, Kurkuma (auch für die Farbe), Cayenne und fein gehackter Petersilie würzen.
  5. Füllen: In einen Spritzbeutel geben und in das Eiweiß füllen.
  6. Garnieren: Mit einem Blatt Petersilie und Kaviar garnieren.

Küchenwissen mit

BESSERBISSEN

Die kostenlose kulinarische Kolumne. Über 4.000 Leser erhalten sie jeden Samstag pünktlich zum Frühstück. Sei auch du dabei und verpasse nichts.

Küchenwissen mit
Besserbissen

Die kulinarische Kolumne

Jetzt
kostenlos anmelden

Weitere Artikel