- Kolumne
98: Coq au vin – lass ihn schmoren
Bei einem zähen Gockel zeigt Schmoren seine Stärken: lange Garzeit, viel Geschmack und saftiges, zartes Fleisch.
Ein Beitrag von Torsten Kluske
98: Der Hahn ist tot. Und oft auch zäh.
Zuerst müssen wir ein paar Begriffe klären: Das französische „Coq” lässt sich mit „Hahn” übersetzen, also einem männlichen Huhn. Deswegen kräht er auch nicht mehr kokodi, kokoda, wenn er tot ist.
Ein Hähnchen wäre demnach ein junges, männliches Huhn. Heutzutage werden dem (Brat-)Hähnchen jedoch beide Geschlechter zugeordnet. Die Hähnchenkeule kann also sowohl weibliche als auch männliche Stelze sein.
Gleiches gilt für die Hühnchenbrust. Auch die kann von beiden Geschlechtern abstammen, denn das weibliche Tier ist nicht das Huhn, sondern die Henne. Und das Huhn, genauer gesagt, das Haushuhn (Gallus gallus domesticus) ist ein domestizierter Vogel aus der Familie der Fasanartigen.
Seinen Ursprung hat ein Coq au vin wahrscheinlich schon im Mittelalter. Wenn ein alter Gockel nicht mehr krähen konnte und sein Leben mit — oder besser gesagt — im Wein beendete, ging es bei der Zubereitung vorwiegend darum, das zähe und sehnige Fleisch noch einigermaßen zart und saftig zu bekommen. Die beste Gartechnik hierfür war und ist das Schmoren. Und in Gegenden, in denen Trauben angebaut wurden, lag es nahe, Wein als Schmorflüssigkeit zu verwenden. Je nach Region übrigens Weiß- oder Rotwein.
Dass auch heute noch einige Rezepte fordern, das Fleisch vor dem Garen über Nacht in Wein einzulegen, liegt an dem Glauben, es würde dadurch schon etwas zarter und geschmackvoller werden. Beides ist jedoch widerlegt, da die Flüssigkeit über Nacht nur wenige Millimeter in die Hühnchenteile einzudringen vermag. Diesen Schritt kann man sich also getrost sparen. Vor allem, wenn man nicht wie im Mittelalter Probleme mit dem Kühlen der Lebensmittel hat. Damals konnte es Sinn ergeben, das Fleisch der Hygiene wegen in Alkohol zu legen. Auch, um den vielleicht schon etwas zu herzhaften Geschmack ob der einsetzenden Reifung abzumildern.
Viel wichtiger für ein zartes Ergebnis ist die richtige Gartechnik. Hier spielt das Schmoren seine Vorteile aus: Eine lange Garzeit bei verhältnismäßig geringen Temperaturen lässt zähes und sehniges Fleisch wunderbar zart und saftig werden. Sehnen wandeln sich wie von Zauberhand in weiche und saftige Gelatine um.
Ein kurzes Video über das Schmoren findest du hier: → klicken.
Im Video zeige ich den entscheidenden Aufbau der Zutaten im Schmortopf. Das Fleisch sollte keinen direkten Kontakt zur Flüssigkeit im Topf haben. Ansonsten wird das Schmoren zum schnöden Kochen.
Auch für das Rezept habe ich ein Video mit allen Informationen zur Zubereitung gedreht. Du findest es hier (→ Klicken). Um den Einkauf zu erleichtern, hier zudem die,
Zutaten für ein klassisches Coq au Vin,
Für 4 Portionen,
1 Mais-Poularde (ca. 1,5–1,8 kg)
2 Hähnchenkeulen,
Für das Mirepoix
4 Zwiebeln
2 Karotten
2 Stangensellerie
Dazu zum Schmoren und für die Sauce
1 TL Thymian
2 Lorbeerblätter
400 ml halbtrockener Rotwein
0,5- 1 Liter Hühnerfond (je nach Topf)
1 EL Tomatenmark
1 El Mehl
Für die Garnitur Bourguignonne
200 g Speck (durchwachsen), gewürfelt
200 g kleine Champignons
200 g Perlzwiebeln (frisch oder abgegossen aus dem Glas)
1 EL Hühnchenfett
Salz, Zucker & schwarzer Pfeffer zum Abschmecken,
Zum Abrunden der Sauce nach Belieben etwas Worchestershire-Sauce und dunklen Balsamico,
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