Brauner vs weißer Zucker

Brauner und weißer Zucker unterscheiden sich stark beim Backen. Melasse entscheidet über Geschmack, Saftigkeit und Konsistenz.

Ein Beitrag von Torsten Kluske

Ein raffinierter Unterschied

Letzte Woche probierte ich ein Cookie-Rezept aus. Und damals dachte ich, es gäbe keinen Unterschied zwischen braunem und weißem Zucker. Also änderte ich das Rezept ab und nutzte statt braunem, weißen Zucker. Es gibt Fehler, die man schmeckt und solche, die man sieht. Meine “Soft-Cookies” lagen am Ende flach und ausgehärtet auf dem Blech.

Um aus meinen Fehlern zu lernen, habe ich mich daher mit der Zuckerherstellung beschäftigt. Diesen Monat kochen die Fabriken wieder weißen und braunen Zucker, in der sogenannten “Rübenkampagne”. Im September kann man auf den Feldern die Rübenmaus entdecken. Ein Gerät, welches auf den Feldern die Zuckerrübenberge einsammelt. Aus sieben Zuckerrüben entsteht ca. ein Kilogramm Zucker.

Der Unterschied der Zucker liegt in der Melasse. Brauner und weißer Zucker werden fast identisch hergestellt. In Mitteleuropa werden sie aus Zuckerrübe, in den Tropen aus Zuckerrohr gewonnen. Das Ziel in der Verarbeitung ist möglichst reine Saccharose, also weißer Zucker. In einer Zuckerfabrik werden die gereinigten Zuckerrüben geschnetzelt und daraus wird eine Art Zuckerrübentee gekocht, bei dem der Zucker in das Wasser übergeht. Diesem setzt man Kalk zu, der Schmutz und unerwünschte Stoffe bindet. Der Saft wandert durch den Filter. Übrig bleibt Dünnsaft. Dieser wird zu Dicksaft, indem man ihn mehrfach einkocht und ihn dadurch konzentriert. Dieser Dicksaft wird dann mit feinem Zucker geimpft, wodurch sich die Zuckerkristalle absetzen. Sie werden anschließend noch zentrifugiert, wodurch sich der Sirup vom Zucker trennt. Auch das passiert in mehreren Runden. In der ersten bleibt Weißzucker übrig, der noch etwas Sirup enthält und für Limonaden oder Ketchup genutzt wird. In der zweiten dann der Rohzucker und in der letzten Runde der Nachproduktzucker und die reine Melasse. Rohzucker und Nachproduktzucker werden erneut gekocht, geimpft und zentrifugiert, man nennt das auch “raffinieren” und endlich erhalten wir unseren Haushaltszucker, mit über 99,5 % Saccharose. Die Herstellung von raffiniertem braunem Zucker ist nicht besonders raffiniert, denn hier wird einfach etwas von der Melasse an den Haushaltszucker gegeben. Somit ist der braune der mehr verarbeitete.

Brauner Zucker klumpt, wenn er austrocknet, weißer Zucker klumpt, wenn er feucht wird. Die Melasse macht den Unterschied. Sie enthält Säuren, Mineralien und hat einen malzigen, karamelligen Geschmack. Außerdem bindet sie Wasser. Wer nach Rezept backt, der sollte nicht einfach braunen durch weißen Zucker ersetzen, so wie ich in der letzten Woche. Denn die Eigenschaften der Melasse im braunen Zucker machen das Ergebnis saftiger. Und wer ein Rezept mit Natron nutzt, braucht eine Säure, damit das Natron kein Natriumcarbonat zurücklässt. Dieses schmeckt seifig und fördert die Maillard-Reaktion. Der Teig läuft mehr in die Breite und wird dadurch härter.

Daher steht bei mir trotz akuten Platzmangels ab sofort neben weißem Zucker auch immer brauner Zucker in meiner Küche. Dafür gibt es jetzt weiche Kekse. Wer sich vom Unterschied selber überzeugen will, dem empfehle ich folgendes Rezept.

Rezept

Das Rezept für Soft Cookies ist lecker und eine gute Vorbereitung für den Herbst. Gleichzeitig ist es ein Experiment: Back die Kekse einmal nur mit weißem Zucker und einmal mit braunem. Unter gleichen Bedingungen wird einen das Ergebnis überraschen.

Zutaten:

  • 115 g weiche Butter
  • 150 g brauner Zucker (Hier ggf. mit 150 g weißem Zucker ersetzen)
  • 50 g weißer Zucker
  • 1 großes Ei
  • 220 g Weizenmehl Typ 405
  • 1 TL Natron
  • 0,5 TL Salz
  • 200 g Schokostückchen

Zubereitung

  1. Cremig aufschlagen: 150 g brauner Zucker und 50 g weißer Zucker und 115 g Butter aufschlagen bis es cremig wird.
  2. Trockene Zutaten mischen: 220 g Mehl, 0,5 TL Salz und 1 TL Natron in einer extra Schale verrühren.
  3. Teig anrühren: Ein Ei dazugeben und verrühren und die Mehlmischung zur Zucker-Ei-Butter-Mischung geben. Die fein gehackten Schokoladenstücke hineingeben.
  4. Kühlen und formen: Jetzt den Teig durchkneten und ca. 30 Minuten in den Kühlschrank stellen, bis er fest ist. Dann in Kugeln formen, ca. 60 g pro Kugel und auf einem Backpapier mit etwas Platz anordnen.
  5. Backen und runden: Den Ofen auf 180 °C Ober / Unterhitze vorheizen und ca. 10 Minuten backen, die Cookies sollten beim Herausholen noch weich sein. Tip: Wenn ihr die Cookies besonders rund haben wollt, legt nach dem Herausnehmen eine Schüssel kopfüber auf die einzelnen Cookies und macht kreisrunde Bewegungen.

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