- Kolumne
Der erste Schnellkochtopf
Der Schnellkochtopf brachte Dampfmaschinen voran und macht Schmoren schneller. Dazu ein Barbacoa-Rezept für Tacos.
Ein Beitrag von Phil Kluske
Die Schmor-Revolution
Die Industrielle Revolution verdanken wir dem Schnellkochtopf. Denis Papin erfand 1679 einen Topf, der durch Druck die Siedetemperatur von Wasser beeinflusste. Damit konnte er nicht nur hervorragende Brühen kochen, das eingebaute Überdruckventil war auch ein wichtiges Bauteil in der Entwicklung der Dampfmaschine.
Der Schnellkochtopf fand im 20. Jahrhundert Einzug in die deutsche Küche und ist heute nicht mehr wegzudenken. In ihrem Store in Frankfurt konnten wir dieses Jahr bei Fissler noch ihren originalen Schnellkochtopf von ca. 1929 sehen. Das Gebilde aus Aluminium mit einem Ventil sieht tatsächlich aus, als würde es beim Bau einer Dampfmaschine gute Dienste leisten. Ein Schmuckstück war es nicht, und das Misstrauen, das viele dem Topf damals entgegenbrachten, kann ich nachvollziehen. Die moderne Version nutze ich ohne Sorge.
So trug der Schnellkochtopf nicht nur zu unserer Wirtschaft, sondern auch zu meinen Kochfähigkeiten bei. Was mich zu einem Geständnis bringt: Vielleicht ist in den letzten 4 Kolumnen der geänderte Vorname des Autors aufgefallen. Ich bin Phil und arbeite mit meinem Vater an unserem Kanal BESSERBISSEN. Wir hatten angekündigt, die Kolumne auf einmal im Monat zu kürzen. Jetzt nutze ich sie, um mich wöchentlich neuen Themen zu nähern. So lerne ich mehr über das Kochen und gebe an euch weiter, was hängen bleibt. In meiner Kindheit wurde ich durch die Koch-Obsession meines Vaters geprägt und somit auch mit der Empfindlichkeit für Fernsehköche, die zu Panierung Panade sagen oder Oregano auf der ersten Silbe betonen. Stellt euch also auf die gleiche Portion Klugscheißerei ein.
Fangen wir also gleich damit an: Fleisch wird durch Schmoren nicht wirklich saftig. Beim Schmoren wird Fleisch zunächst angebraten und dann in siedender Flüssigkeit im geschlossenen Gefäß weitergegart. Die Abgrenzung zum Kochen oder Dünsten liegt darin, dass das Gargut nur zur Hälfte bedeckt ist. Der untere Teil gart in Wasser, der obere im Dampf. Dabei geht man einen Kompromiss ein. Muskelfasern sind bei 55 bis 60 °C perfekt. Das Kollagen im Bindegewebe braucht mehr Hitze und vor allem Stunden, bis es zu weicher Gelatine zerfällt. Beides gleichzeitig geht nicht. Man opfert also die Fasern, um an die Gelatine zu kommen. Was sich am Ende im Mund nach Saftigkeit anfühlt, ist genau diese Gelatine. Zum Glück für mein Studentenkonto eignet sich zum Schmoren also möglichst sehniges Fleisch mit Knochen, das man günstiger bekommt.
Passend dazu spart der Topf auch Zeit. Wasser siedet, wenn sein Dampfdruck den Umgebungsdruck erreicht. Erhöht man den Druck im geschlossenen Gefäß, verschiebt sich der Siedepunkt nach oben. Im Schnellkochtopf erreicht das Wasser bei vollem Druck 116 °C und beschleunigt die Garprozesse. Diese 16 °C klingen nach wenig. Was im Ofen 3 Stunden dauert, ist im Schnellkochtopf nach etwa 60 Minuten fertig.
Zugegeben, war es für mich anfangs gewöhnungsbedürftig, Vertrauen in meinen Schnellkochtopf zu stecken. Schließlich drückt es von innen mit dem Gewicht eines Ponys gegen den Deckel. Nach ein paar Jahrhunderten angewandter Ingenieurskunst ist die Wahrscheinlichkeit, dass mir der Deckel um die Ohren fliegt, überschaubar. Bis auf eine Geschmacksexplosion ist mir noch nichts passiert.
Die ersten Rezepte, die ich mit meinem Schnellkochtopf gekocht habe, habe ich von meinem Vater geschickt bekommen. Ein ähnliches Erlebnis bekommt auch ihr in seinem Kurs zum Schnellkochtopf bei 7Hauben, der mir ebenfalls geholfen hat. Schaut dort gerne einmal vorbei, über unseren Link* bekommt ihr das Jahresabo mit 55 % Rabatt.
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Rezept
Mit dem Schnellkochtopf eröffnet sich einem die kulinarische Welt des Schmorens. Short Ribs, Beinscheibe oder Rinderhüfte finden auf einmal in der Küche Verwendung. Und so lassen sich hunderte Rezepte aus verschiedenen Ländern zubereiten. Ein Rezept, welches mich begeistert hat, ist für Tacos. Wer sich also gleich an ein Schmorrezept machen will, findet es hier.
Zutaten
Geschmortes Rind (Barbacoa-Style)
- 1 kg Rinderbeinscheibe
- 2 EL Öl
- 2 EL Mehl
- 1 große Zwiebel (ca. 150 g), grob gewürfelt
- 4 Knoblauchzehen
- 2 Chipotle in Adobo (aus der Dose) + 1 EL der Sauce
- 500 ml Rinderbrühe
- 60 ml Limettensaft
- 2 EL Apfelessig
- 2 TL Salz
- 2 TL gemahlener Kreuzkümmel
- 1 TL getrockneter Oregano
- 2 Lorbeerblätter
Weizentortillas
- 500 g Weizenmehl (Type 405 oder 550)
- 310 ml warmes Wasser
- 60 g neutrales Öl
- 8 g Salz
- 4 g Backpulver (optional, macht sie luftiger)
Zwiebel-Koriander-Topping
- 1 weiße Zwiebel (ca. 120 g), fein gewürfelt
- 30 g Koriander, fein gehackt
- 30 ml Limettensaft
- 2 g Salz
Zubereitung
Schmorfleisch
- Zuerst die Beinscheibe salzen, mehlieren und im Schnellkochtopf in etwas Öl scharf anbraten. Die Röstaromen, die dabei entstehen, landen später in der Sauce und geben viel Geschmack.
- Fleisch rausnehmen und im gleichen Topf Zwiebeln, Knoblauch, Kreuzkümmel und Oregano kurz andünsten.
- 2 Chipotle dazu. Mit 500 Milliliter Brühe ablöschen, Limettensaft, Essig, 1 EL Adobo-Sauce und zwei Lorbeerblätter hinen. Mit Salz abschmecken.
- Das Fleisch zurück in den Topf und mit dem Deckel verschließen. Wenn voller Druck aufgebaut ist, beginnt die Garzeit von einer Stunde. Nach der Garzeit den Druck ablassen und den Deckel öffnen.
- Die Lorbeerblätter und die Beinscheiben rausnehmen. Das Fleisch fällt schon vom Knochen, mit zwei Gabeln zerzupfen. Das Fleisch wieder in den Sud geben.
Tortillas
- Mehl, Salz und Backpulver mischen. Öl und warmes Wasser zugeben, zu einem Teig verkneten — 5 bis 8 Minuten, bis er glatt und geschmeidig ist. Zugedeckt 30 Minuten ruhen lassen. Der Teig lässt sich danach deutlich leichter ausrollen.
- In 16 Stücke à etwa 55 g teilen, zu Kugeln formen, abgedeckt weitere 15 Minuten ruhen lassen.
- Jede Kugel dünn ausrollen, etwa 18 cm Durchmesser. In einer trockenen, heißen Pfanne backen: rund 45 Sekunden, bis sich Blasen bilden, wenden, weitere 30 Sekunden. Nicht länger, sonst werden sie hart statt weich.
- Fertige Tortillas sofort gestapelt in ein Küchentuch schlagen. Der eigene Dampf hält sie weich.
Zwiebel-Koriander Topping
- Zwiebelwürfel, Koriander, Limettensaft und Salz mischen. Mindestens 10 Minuten ziehen lassen.
Eine Videoanleitung zum Schmorgericht findet ihr auch nächsten Mittwoch auf unseren Social Media Kanälen.
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