Ingwer Bier

Ein Ginger Bug als Haustier-Ersatz: wilde Fermentation, Cross Feeding und sprudelndes Ingwer-Bier aus der Flasche.

Ein Beitrag von Torsten Kluske

Ein Haustier für den Sommer

Wer aufgrund von Katzenhaar-Allergie oder Hunde-Angst nach einem Haustier-Ersatz sucht, dem empfehle ich einen Ingwer-Bier Starter.

Zugegeben wurde ich von ihm noch nicht freudig angesprungen, wenn ich nach Hause komme, aber er bellt auch nicht, wenn es klingelt.

Bevor der Starter jedoch irgendetwas macht, startet er zunächst mit einer Verwirrung: Bei Ingwer-Bier handelt es sich per Definition gar nicht um Bier, da kein Malz enthalten ist. Genauso ist auch die “Ginger Beer Plant”, die zum Ansatz des historischen Ingwer-Biers verwendet wurde, gar keine Pflanze. Harry Marshall Ward fand 1892 die Ingwer-Bier Pflanze aus Hefe und Bakterium in einer geleeartigen Masse. So wurde sie zur Herstellung des historischen Ingwer-Biers genutzt.

Der britische Botaniker entdeckte erstmals das Zusammenspiel der sonst getrennt arbeitenden Partner bei der Fermentation. Hefe vergärt Zucker zu Alkohol und CO2 und gibt Aminosäuren, Vitamine und gespaltenen Zucker an das Bakterium ab. Das Bakterium produziert Milchsäure, wovon Hefe und Gärung profitieren. Das nennen wir heute “Cross Feeding” und nutzen es bei der Herstellung von Kefir, Sauerteig und eben Ingwer-Bier.

Die Ginger Beer Plant gilt jedoch als verloren, als Alternative nehmen wir heute einen “Ginger Bug”. Der Name “Bug” ist im Englischen ein altes Synonym für Mikrobe oder Keim. Dieser Zoo aus Mikroben ist ein wild fermentierter Starter, den man aus Ingwer, Zucker und Wasser ansetzt. Das funktioniert, da auf der Schale von frischem Bio-Ingwer von Natur aus wilde Hefen und Milchsäurebakterien sitzen. Wie bei allen Haustieren gilt: Sie brauchen Wärme, Wasser, Nahrung und Fürsorge. Mit täglichem Füttern von Zucker und Wasser vermehren sich die Mikroben zu einer sprudelnden Starterkultur. Die Milchsäure sorgt dafür, dass ein saures Milieu entsteht: Schimmel und unerwünschte Mikroben werden gehemmt, die Hefe kann sich entfalten.

Im offenen Ginger Bug reichern sich also Milchsäure und Alkohol an, die entstandene Kohlensäure entweicht sofort durch die Öffnung. Erst wenn der fertige Bug in ein geschlossenes Gefäß mit einer Zucker-Wasser Mischung gegeben wird, kann die Kohlensäure sich im Getränk lösen. In der Flasche wird Milchsäure weitergebildet, der Alkoholgehalt steigt auf ca 0,5-1 % und das Getränk beginnt beim Öffnen zu sprudeln.

Damit hat man zukünftig einen neuen Mitbewohner, der zwar nichts zur Miete beiträgt, aber einem regelmäßig ein sprudelndes Erfrischungsgetränk für den Sommer beschert. Das Nachmachen lohnt sich also:

Rezept

Zutaten für den Ginger Bug (7 Tage Starter)

  • 250 ml chlorfreies Wasser
  • 2 TL Bio-Ingwer mit Schale
  • 2 TL Zucker

Zubereitung

  1. Tag 1 ansetzen: Die 2 TL Ingwer mit Schale fein reiben und mit 2 TL Zucker zu 250 ml Wasser geben. In einem Gefäß mit Tuch abdecken.
  2. Ruhen lassen: Über die gesamte Zeit bei Zimmertemperatur dunkel lagern.
  3. Ab Tag 2 füttern: Täglich mit 2 TL Ingwer und 2 TL Zucker füttern. Das Füttern liefert neue Nahrung für die Hefe und Bakterien.
  4. Aktivität prüfen: Ab Tag 2-3 zeigen sich erste Bläschen, das ist die Kohlensäure und ein leicht säuerlicher Geruch durch die Milchsäure. Nach 6-8 Tagen ist der Ginger Bug fertig, er sollte sprudeln und leicht trüb sein.

Zutaten für das Ingwer-Bier

  • 1 L Wasser
  • 30 g Ingwer
  • 70 g Zucker
  • Zitronensaft von 1 Zitrone
  • 60 ml Ginger Bug (nur Flüssigkeit)

Zubereitung

  1. Sirup kochen: 250 ml Wasser mit 30 g Ingwer, Saft von einer Zitrone und 70 g Zucker zusammengeben und aufkochen. 5 Minuten köcheln lassen bis der Zucker gelöst ist und der Ingwer sein Aroma abgegeben hat.
  2. Auffüllen und abkühlen: Dann mit 750 ml Wasser auffüllen und auf unter 30 °C herunterkühlen. Anschließend 60 ml Ginger Bug einrühren.
  3. Abfüllen: Durch ein Sieb in eine PET Flasche oder Bügelflasche füllen. Oben 3-4 cm Platz lassen.
  4. Karbonisieren und kühlen: Über die nächsten 2-4 Tage karbonisiert die Flüssigkeit, täglich über den Verschluss entlüften. Das fertige Ingwer-Bier in den Kühlschrank stellen und beim Öffnen aufpassen.

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