Mein erster Sauerteig

Ein neues Haustier, das man nachts füttert, um am Ende ein Brot zu backen, das der Bäcker besser kann.

Ein Beitrag von Torsten Kluske

Eine Hochkultur im Glas

Den Sauerteig haben die Ägypter erfunden und nebenbei noch Pyramiden gebaut. Wie die Pyramiden gebaut wurden, versteht bis heute niemand. In der letzten Woche habe ich mein erstes Sauerteigbrot gebacken und frage mich eher, wie sie das mit dem Sauerteigansatz geschafft haben.

Der Legende nach wurden die Arbeiter der Pyramide mit einem Brei aus Getreide und Wasser ernährt. Da dieser länger in der Sonne stand und so vor sich hin fermentierte, entstand das, was wir heute als Sauerteig bezeichnen. Für Hobbybäcker wie mich bedeutet ein Sauerteig viel Zeit und Frust, die alten Ägypter haben ihn durch nichts tun entdeckt.

Von Kairo geht es nach Berlin, denn Sauerteig hat sich vor tausenden Jahren nach Europa ausgebreitet. In meiner Lieblingsbäckerei haben auf mich die großen Laibe Eindruck gemacht. Viele Bäcker füttern ihre Sauerteige über Generationen, mehrfach täglich, wodurch sie eine komplexe und ausgeglichene Hefe- und Milchsäurekultur schaffen. Ich hatte mir das Brotbacken entspannt vorgestellt. Es ist vor allem Stress. Der Sauerteig ist nichts anderes als ein weiteres Haustier, das man warm halten und füttern muss. Und für das der Wecker gerne mal nachts klingelt: Tag 1 ansetzen, Tag 2 und 3 füttern, dann die Hälfte entnehmen und neu füttern, Tag 4-6 im 12-Stunden-Takt. Wer diese Tortur hinter sich hat, hat einen Ansatz, der in den Kinderschuhen steckt und noch weit davon weg ist, mit dem einer Bäckerei mitzuhalten.

Bäckermeister bezeichnen das Backen mit Sauerteig deshalb als Champions League des Brotbackens. Bei der Rezeptsuche stößt man auf Begriffe wie „Spontansauer nach Spicher und Stephan“ oder „Böcker Reinzucht-Sauerteig“. Dahinter steckt eine wilde Mischung aus Milchsäurebakterien und Hefen, die man so lange füttert, bis das Verhältnis stimmt. Was ich erst nach meinem ersten Brot rausgefunden habe: Wer täglich füttert, verdoppelt das Volumen täglich und für ein Brot braucht man 25 g Ansatz. Wer Verwendung für 800 g Sauerteigstarter hat, kann mir gerne per Mail schreiben.

Als Bäcker ist es verpflichtend, seinem Sauerteig einen eigenen Namen zu geben. Mein Ansatz heißt Kleopatra. Das erste Brot damit ist ganz gut gelungen und der ganze Prozess hat Spaß gemacht. Was die Begründung dafür ist, dass ich mich in ein Thema reinfuchse, von dem ich nach einer Woche glaube, gerade einmal 1 % der Materie verstanden zu haben.

Rezept

Einen Ansatz anzusetzen sprengt diesen Text, darum verweise ich hier auf den 7hauben Kurs von Lutz Geißler. Dieser diente mir in der vergangenen Woche als Netflix-Ersatz und ich habe viel zum Thema Backen und Sauerteig lernen können.

Zutaten für ein Weizenbrot aus Roggensauerteig:

  • 440 g Weizenmehl Type 550
  • 50 g Roggenmehl Type 1150
  • 350 g Wasser, lauwarm
  • 110 g aktiver Sauerteig (hochgefüttert aus 10 g Ansatz)
  • 10 g Salz

Zubereitung:

  1. Autolyse: Weizenmehl, Roggenmehl und lauwarmes Wasser nur grob zu einem klumpigen Teig vermengen. Abgedeckt ca. 30 minuten ruhen lassen.
  2. Sauerteig & Salz einarbeiten: Aktiven Sauerteig und Salz zugeben und mit nasser Hand so lange in den Teig hineinquetschen und -falten, bis alles homogen ist. Das dauert etwa 3–5 Min.
  3. Stockgare: Teig bei 24–26 °C gehen lassen und in den ersten 2 Std. 3–4 Mal dehnen und falten, jeweils im Abstand von 30 minuten. Weiter gehen lassen, bis + 50–70 % Volumen erreicht sind.
  4. Formen & Stückgare: Teig auf leicht bemehlte Fläche stürzen, locker rundwirken und offen ca. 30 Minuten ruhen lassen. Straff zu Kugel oder Laib formen und mit Schluss nach oben in den bemehlten Gärkorb legen, dann 12–16 Std. kalt stellen.
  5. Backen: Gusseisentopf im Backofen bei 250 °C Ober-/Unterhitze mitheizen, Teig stürzen, 1 cm tief einschneiden und 30 Minuten mit Deckel backen. Deckel abnehmen, auf 220 °C reduzieren und 20 minuten fertig backen.
  6. Auskühlen: Auf einem Gitter ca. 2h vollständig auskühlen lassen. Warm angeschnitten bleibt die Krume klitschig.

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