- Kolumne
66: Pudding – Es geht eigentlich um die Wurst
Ein Beitrag von Torsten Kluske
Pudding - Es geht eigentlich um die Wurst
Meine Eltern hatten eine Fleischerei und unser Wohnhaus war ein Teil davon. Um morgens das Gebäude zu verlassen, gab es zwei Optionen:
Entweder am Laden vorbei, der sich direkt neben unserer Haustür befand, nur durch 3 Stufen von unserem privaten Esszimmer getrennt oder durch das Schlachthaus hindurch und zur Hintertür hinaus.
Beide Wege hatten ihre Tücken, denn am Laden lauerte meine Oma und damit die Gefahr zu ihr gerufen zu werden: Torsten, komm mal kurz rein. Das hier ist die Frau Müller-Lüdenscheit: Sag mal “Guten Morgen”.
Der Weg durchs Schlachthaus war dagegen voller kulinarischer Gefahren, wenn beispielsweise Fleischermeister Manfred gerade mit hochgekrempelten Ärmeln und beiden Armen in einer Molle voll 100 kg Blutwurstmasse rührte und forderte: Torsten, probier mal!
Wer will dann schon als gymnasiales Weichei dastehen, wenn einem so freundlich auffordernd eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger, triefend von roher Blutwurstmasse, vor die Nase gehalten wird.
In England heißt die Blutwurst “Black Pudding”. Womit wir beim Thema der heutigen Kolumne angekommen wären: Pudding. Dem Namen nach geht es also eigentlich um die Wurst. Das zumindest besagt eine Theorie, nach der das Wort Pudding vom lateinischen “botellus” für “Wurst” abstammen könnte. Auch das französische Wort “boudin”, das ebenfalls “Wurst” bedeutet, zeigt mit etwas Fantasie sprachliche Ähnlichkeiten. Und so bezeichnete man im Mittelalter mit dem Wort “Pudding” in Wurstform gebrachte, herzhafte Massen.
Mit unserer modernen Version eines Puddings hat das alles natürlich wenig zu tun. Doch sogar heute gibt es noch Irrungen und Wirrungen: Was uns beispielsweise der Doktor aus Bielefeld als “Puddingpulver” verkauft, besteht größtenteils aus Stärke. Gibt man Milch und Zucker dazu und kocht das Ganze auf, hat man eigentlich keinen Pudding, sondern ein Flammeri: gekochte Milch, die mit Stärke, Gries einem anderen langkettigen Kohlenhydrat meist cremig bis stichfest gebunden wird. Der Name leitet sich von “Flummery” für “Haferbrei” ab und das etwas in Vergessenheit geratene Dessert hat Ähnlichkeiten mit einer Crema Catalana.
Ein süßer Pudding dagegen gleicht vielmehr einer Crème brûlée. Er wird nicht mit Stärke, sondern mit Ei gebunden. Zudem kocht man ihn nicht im Topf, sondern lässt ihn in Förmchen im Backofen stocken.
Was man zusammenfassend sagen kann: In der Zubereitung birgt das Binden mit Stärke weit weniger Risiken, als mit Ei. Letzteres ist nicht nur temperaturempfindlich, sondern bereichert ein Dessert schnell bei zu hoher Hitze mit einem schwefeligen Ei-Aroma. Und so bereite ich einfach den Pudding mit Stärke zu.
Rezept
- 500 ml Milch
- 40 g Mais- oder Kartoffelstärke
- 40 g Zucker
- 1/2 Vanilleschote
- Prise Salz
- Nach Wunsch für die Farbe ein Eigelb
Die Vanilleschote halbieren, das Mark mit dem Klingenrücken eines Messers herauskratzen und in die Milch geben. Stärke, Zucker und eine Prise Salz zufügen und glattrühren.
Bei mittlerer Hitze aufkochen und dabei ständig rühren, damit die Creme nicht am Topfboden anbrennt. Sobald die Masse gebunden ist, in Schälchen füllen und abkühlen lassen. Wer mag, rührt kurz vor dem Umfüllen ein mit etwas Milch glattgerührtes Eigelb unter die heiße, jedoch nicht mehr kochende Creme.
Das Rezept mit Video findet ihr hier auf meiner Website unter Rezepte.
Ein Tipp: Die Spitzen-Vanille aus dem Rezept ist von Direkt vom Feld.