Zu viel Gewicht

Wanderer zählen jedes Gramm. Wie ich mit 300 ml Olivenöl durch Schweden lief und was ich nächstes Mal spare.

Ein Beitrag von Torsten Kluske

Die Wanderer-Diät

Bei einer Diät und auch beim Wandern dreht sich alles um Pfunde. Nur zählt man nicht die eigenen, sondern die auf dem Rücken. Wer das ernst nimmt, ist erkennbar: eng geschnürte Stiefel, Wanderstöcke und ein dicht gepackter Rucksack mit Hüftgurt. So lief ich letzte Woche durch Schweden in meinem ersten Wanderurlaub.

Vor der Wanderung galt der erste Abstieg dem Rabbit Hole des Wanderns. Während man sonst beim Shoppen für mehr Geld mehr Material erwarten würde, gilt von Schlafsack über Zelt bis zur Isomatte: Je teurer, desto leichter und kompakter. Dazu kommt Kreativität beim Packen, etwa durch das Nutzen des Wanderstocks als Zeltstange. Und was für Schüssel und Löffel gilt, gilt auch für Unterhosen: Mehr als eine ist unnötiges Gewicht. Nach der selben Logik kürzen Wanderer dann jegliche Überlänge von Schnüren und Plastiktüten und sparen Verpackung, indem sie ihr Essen vorportionieren. Besonders betont wird auch die Wichtigkeit der richtigen Wanderschuhe. Zum Glück fand ich noch alte Wanderstiefel aus meinem Auslandsjahr in Schweden 2019. Da ich sie schon einmal eingelaufen hatte, sollten sie sich perfekt eignen. Ich zählte 7 Blasen am zweiten Tag.

Für das Essen werden wie beim Abnehmen Kalorien gezählt, allerdings um möglichst viele davon in seinen Rucksack zu quetschen. Die wichtigste Maßeinheit ist Kalorie pro Gramm: Kohlenhydrate und Eiweiß haben ca 4 kcal pro Gramm, Fett kommt auf 9. So fand ich mich mit 300 ml Olivenöl im Gepäck wieder, was bei Freunden eine gewisse Skepsis auslöste. Außerdem bestand der Vorrat aus Haferflocken für das Frühstück und Nüssen oder Schokolade für den Hunger zwischendurch. Fürs Abendessen hatte ich pulverisierten Kartoffelbrei und Brühe dabei. Gibt man später Flüssigkeit hinzu, kommt etwas heraus, das dem Ausgangsprodukt ähnelt. Außerdem Couscous und Polenta. Getreide ist haltbar, kaloriendicht und schnell zubereitet. Kein Wunder also, dass der Müller so Lust auf Wandern hat.

Wir liefen schließlich 161 km in 7 Tagen und schafften die Strecke trotz Blasen. Praktischerweise wurde der Rucksack auf dem Weg leichter, weil wir ihn quasi aufaßen. Leider galt die Monotonie in der Kulinarik auch der Natur. Wir bewanderten den SL3 des Skåneleden im südlichen Schweden und am letzten Tag konnte ich den Wald mit Bäumen einfach nicht mehr sehen.

Auch dank des Jedermannsrechts kann ich Schweden für das Wandern aber empfehlen und es wird nicht meine letzte Wanderung gewesen sein. Auch das Grammgegeize erklärte sich mir nach den ersten Kilometern mit dem Rucksack. Nächstes Mal würde ich mir den 700 Seiten Roman “Der Name der Rose” von Umberto Eco sparen. Aktuell bin ich auf Seite 60.

Rezept

Ein Gericht mit hohem Kalorie-pro-Gramm-Wert, das trotzdem nach Essen schmeckt ist meine Camping Polenta. Wer eine Wanderung plant, kann es genauso zubereiten, für Zuhause würde ich mit dem Olivenöl wohl sparsamer umgehen.

Zutaten für eine Portion

  • 125 g Polenta
  • 500 ml Wasser
  • 1 EL Gemüsebrühe
  • 1 EL Miracoli Gewürzmischung
  • 1 EL Parmesan
  • 2-4 EL Olivenöl
  • 1 EL Röstzwiebeln

Zubereitung

  1. Brühe aufkochen: Wasser mit der Gemüsebrühe aufkochen. Die Flüssigkeit soll kräftig heiß sein.
  2. Polenta einrühren: Polenta einrühren und bei kleiner Hitze unter Rühren quellen lassen. Rühren, bis die Masse dick wird.
  3. Verfeinern: Gewürzmischung, Parmesan und Olivenöl unterrühren. Alles kurz durchmischen, bis es gleichmäßig ist.
  4. Servieren: Mit Röstzwiebeln bestreuen. Direkt essen, solange sie warm ist.

Küchenwissen mit

BESSERBISSEN

Die kostenlose kulinarische Kolumne. Über 4.000 Leser erhalten sie jeden Samstag pünktlich zum Frühstück. Sei auch du dabei und verpasse nichts.

Küchenwissen mit
Besserbissen

Die kulinarische Kolumne

Jetzt
kostenlos anmelden

Weitere Artikel